Arbeitswelt

Sicherheit beim Fahrrad-Sharing – ohne permanente Ortung

30. August 2026 Tino Hülsenbeck 4 Min. Lesezeit
Sicherheit beim Fahrrad-Sharing – ohne permanente Ortung

Sharing-Angebote für Fahrräder und Lastenräder sind mittlerweile nicht nur ein Geschäftsmodell großer Mobilitätsanbieter. Wohnungsunternehmen stellen ihren Mietern Lastenräder zur Verfügung, Unternehmen bauen Fahrradpools für Mitarbeiter auf, Kommunen betreiben öffentliche Angebote und Vereine teilen Fahrzeuge unter ihren Mitgliedern.

Mit obALu beschäftigen wir uns seit mehreren Jahren genau mit solchen Anwendungen. Unsere Plattform verbindet Buchung, Verwaltung und Zugangstechnik für unterschiedliche Mobilitätsangebote. 

obALu Buchungs- und Sharing-System

Bei vielen klassischen Sharing-Flotten gehört die Ortung der Fahrzeuge zur technischen Ausstattung. Auch obALu kann entsprechende Telematik mit Mobilfunk und GPS integrieren. Doch nicht bei jedem Sharing-Modell ist eine permanente Ortungsmöglichkeit erwünscht oder überhaupt notwendig.

Wenn niemand wissen soll, wohin der Nachbar fährt

Nehmen wir eine Wohnanlage mit 50 Wohnungen. Die Eigentümergemeinschaft oder das Wohnungsunternehmen stellt zwei Lastenräder zur gemeinsamen Nutzung bereit. Über das Buchungssystem reservieren die Bewohner ein Rad und erhalten Zugang.

Technisch könnten wir natürlich einen pironex GPS-Tracker einbauen. 
Aber muss die Hausverwaltung tatsächlich nachvollziehen können, ob Herr Müller am Samstagnachmittag zum Baumarkt, zum Badesee oder zu Freunden gefahren ist?

Bei betrieblichen, genossenschaftlichen oder nachbarschaftlichen Sharing-Angeboten kann gerade der Verzicht auf eine dauerhafte Ortung Teil des Konzepts sein. Trotzdem bleibt eine andere Frage bestehen: Was passiert, wenn unterwegs jemand Hilfe benötigt?

Hier wird ellio.help sinnvoll.

Ein Hilferuf, der erst dann seinen Standort übermittelt, wenn er gebraucht wird

ellio.help könnte geschützt und möglichst unauffällig am Fahrrad oder Lastenrad integriert werden. Im normalen Betrieb ist das Gerät aus. Es findet keine permanente Übermittlung des Aufenthaltsortes statt. Erst nach einer bewussten Auslösung wird die Position ermittelt und zusammen mit dem Hilferuf an die hinterlegten Kontakte übertragen. 

Das verändert die Logik gegenüber einem klassischen GPS-Tracker: Nicht der Betreiber entscheidet, wann er wissen möchte, wo sich das Fahrrad befindet. Der Nutzer entscheidet, wann jemand wissen soll, wo er Hilfe benötigt.

Das kann eine ganz alltägliche Situation sein. Die Kette des Lastenrades ist gerissen. Ein Reifen ist platt. Eine Mutter steht mit zwei Kindern einige Kilometer von zu Hause entfernt und kommt mit dem schweren Lastenrad nicht weiter. Oder ein Mitarbeiter ist mit dem betrieblichen E-Bike unterwegs und hatte einen Unfall.
Dann wird an der Auslöseschlaufe von ellio.help gezogen. Das Gerät aktiviert sich, baut die Verbindung auf und übermittelt Hilferuf und Position. Eine Status-LED zeigt dem Nutzer den Zustand des Gerätes an.

ellio.help – Funktionen und Technik

Wer bekommt eigentlich den Hilferuf?

Für Betreiber eines Sharing-Angebots ist das eine spannende Frage. Eine kleine Fahrradflotte in einem Unternehmen oder einer Wohnanlage hat normalerweise keine rund um die Uhr besetzte Leitstelle. Oft gibt es eine Fahrradwerkstatt, einen Hausmeister oder einen Facility-Management-Dienstleister. Diese kümmern sich um Wartung, Akkus und Reparaturen – sitzen aber nicht permanent vor einem Bildschirm und verfolgen die Fahrzeuge. Das kann auch niemand bezahlen.

Für einen ausgelösten Hilferuf kann stattdessen ein definierter Eskalationsweg hinterlegt werden. Während der Geschäftszeiten könnte beispielsweise das Facility Management zuständig sein. Außerhalb dieser Zeiten könnte die Meldung an eine verantwortliche Person oder einen externen Service gehen.

Das bestehende obALu-System bringt für Betreiber bereits Verwaltungsfunktionen sowie ein HelpDesk-System mit Ticket- und Chatfunktion mit. ellio Help ergänzt diese digitale Betreiberwelt um etwas anderes: einen sehr einfachen Hilferuf direkt am Fahrzeug.

Interessant auch außerhalb klassischer Sharing-Flotten

Der Ansatz ist deshalb nicht auf öffentliches Bike-Sharing beschränkt. Denkbar sind Wohnungsunternehmen und Genossenschaften mit gemeinschaftlichen Lastenrädern, betriebliche Fahrradpools, Kommunen, Vereine, Schulen oder soziale Einrichtungen.
Und eigentlich braucht es nicht einmal ein Sharing-System.

Auch an einem privat genutzten Lastenrad kann ein solches System sinnvoll sein. Gerade wenn regelmäßig Kinder mitfahren, kann ein fest am Fahrrad vorhandener Hilferuf eine interessante Ergänzung zum Smartphone sein. Das Telefon wird dadurch nicht überflüssig. Natürlich kann man bei einer Panne jemanden anrufen. Aber das Telefon muss dabei sein, geladen sein und der Fahrer muss in der jeweiligen Situation noch in der Lage sein, es zu bedienen und seinen Standort zu erklären.

ellio.help verfolgt einen anderen Ansatz: ziehen, Hilferuf senden, Position übermitteln. Das Gerät besitzt dafür eine eigene Mobilfunkverbindung und benötigt kein Smartphone.

Für uns schließt sich damit ein interessanter Kreis zwischen zwei Entwicklungen: Mit obALu machen wir Fahrzeuge gemeinschaftlich nutzbar. Mit ellio.help können wir darüber nachdenken, wie Menschen diese Fahrzeuge sicher nutzen können, ohne dafür ihre alltäglichen Wege permanent sichtbar machen zu müssen.

Sharing bedeutet schließlich, ein Fahrzeug miteinander zu teilen – nicht den Aufenthaltsort seiner Nutzer.

Tino Hülsenbeck

Sicherheit, die mitgeht.

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