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Wenn das Motorrad im Graben liegt und oben alle vorbeifahren

30. August 2026 Tino Hülsenbeck 4 Min. Lesezeit
Wenn das Motorrad im Graben liegt und oben alle vorbeifahren

Wer Motorrad fährt, kennt dieses Gefühl. Du bist auf einer Landstraße unterwegs, die Straße ist trocken, wenig Verkehr, vor dir ein paar schöne Kurven. Im Auto ist eine solche Strecke einfach eine Verbindung von A nach B. Auf dem Motorrad ist sie der Grund, warum man überhaupt losgefahren ist.
Ich fahre selbst Motorrad und weiß natürlich auch, dass dieses Gefühl seinen Preis hat. Wir haben keine Knautschzone um uns herum. Wenn etwas schiefgeht, sind wir ziemlich unmittelbar beteiligt.
Aber bei ellio.help denke ich gar nicht zuerst an den schweren Motorradunfall. Dafür gibt es Rettungsdienste und bei modernen Motorrädern inzwischen teilweise automatische Notrufsysteme. Mich beschäftigt eine andere Situation, über die wir vor Kurzem auch mit anderen Motorradfahrern gesprochen haben.
Du fährst allein deine Runde. In einer Kurve kommt vielleicht etwas Split, du verschätzt dich oder das Vorderrad rutscht einfach weg. Das Motorrad geht von der Straße und du landest ein paar Meter tiefer im Graben. Dann liegst du da und stellst erst einmal fest: Glück gehabt.
Der Helm hat gemacht, was er soll. Die Motorradkleidung ist dreckig, der Ellenbogen tut weh und morgen wird wahrscheinlich der ganze Körper schmerzen. Aber offensichtlich ist nichts wirklich Schlimmes passiert. Du willst aufstehen und dann merkst du, dass das nicht geht. Die Maschine liegt auf deinem Bein.

Wer ein großes Motorrad fährt, weiß, was das bedeutet. Meine Maschine wiegt weit über 200 Kilogramm. Auf einem Parkplatz bekommt man sie mit der richtigen Technik wieder hoch. Im Straßengraben, auf weichem Boden und mit einem Bein darunter, sieht die Sache schon ganz anders aus. Oben hörst du die Autos fahren. Für einen kurzen Moment denkst du: Der wird mich sehen. Das Auto fährt aber vorbei. Dann das nächste. Und irgendwann begreifst du, dass man von der Straße aus überhaupt nicht sehen kann, dass ich da unten im Graben liege.
Aus einem Unfall, über den man am Abend eigentlich nur ein bisschen fluchen wollte, kann so mit der Zeit ein echtes Problem werden.

Wo ist eigentlich das Handy?

Natürlich habe ich beim Motorradfahren mein Smartphone dabei. Wahrscheinlich die meisten von uns. Nur hilft mir das wenig, wenn es in der Innentasche meiner Jacke steckt und ich mit dem Arm nicht herankomme. Noch schlechter ist es, wenn es beim Sturz aus der Halterung geflogen ist und irgendwo drei Meter weiter im Gras liegt. Genau deshalb finde ich ellio.help für Motorradfahrer interessant. Das Gerät gehört nicht ans Motorrad. Es gehört an meine Kleidung. 
Denn nach einem Sturz weiß niemand, wo die Maschine und wo der Fahrer landen. Die können einige Meter voneinander entfernt sein. ellio.help kann so an der Kleidung getragen werden, dass ich die Auslöseschlaufe möglichst auch dann noch erreiche, wenn ich am Boden liege. Wenn ich merke, dass ich allein aus der Situation nicht herauskomme, ziehe ich daran. Mehr muss ich in diesem Moment nicht machen. Die hinterlegten Personen bekommen meinen Hilferuf und meine Position. Das können meine Familie sein oder die Freunde, mit denen ich normalerweise Motorrad fahre. Die entscheidende Nachricht lautet dann eigentlich nur: Ich brauche Hilfe. Und hier bin ich.

Es muss nicht immer gleich der Rettungswagen sein

Das ist für mich ein wichtiger Punkt. Wenn ich unverletzt unter meinem Motorrad liege und nicht herauskomme, möchte ich natürlich Hilfe. Aber ich brauche deshalb nicht zwangsläufig sofort einen Rettungswagen. Vielleicht brauche ich schlicht zwei Leute, die meine Maschine anheben. Meine Freunde sehen die Position, fahren zu mir und zehn Minuten später stehe ich wieder auf den Beinen. Wenn sie vor Ort feststellen, dass doch etwas nicht stimmt, können sie immer noch den Rettungsdienst verständigen. Genau deshalb nennen wir ellio.help auch nicht einfach einen Notrufknopf. Es ist zunächst einmal ein Hilferuf. Ich entscheide selbst, wann ich ihn auslöse und wer ihn bekommt.

Warum nicht automatisch?

Die Frage liegt natürlich nahe: Wenn ellio.help Bewegung und Beschleunigung erfassen kann, warum erkennt das Gerät den Unfall nicht einfach selbst? Solche Systeme gibt es sicherlich. Nur müssen diese Geräte immer auch geladen und erreichbar sein. ellio.help bleibt für 2 Jahre geladen, denn es ist im Normalfall ausgeschaltet und schaltet sich erst ein wenn an der Schlaufe gezogen wird.
Solange ich selbst reagieren kann, entscheide ich auch selbst, ob ich Hilfe benötige. Ich ziehe an der Schlaufe. Und dann weiß jemand, wo ich bin. Im besten Fall stehen ein paar Stunden später drei Motorräder vor der Garage, meine Maschine hat einen neuen Kratzer und beim Bier erzähle ich natürlich, dass der Graben mindestens drei Meter tief war.
So sollte die Geschichte ausgehen.

Tino Hülsenbeck

Sicherheit, die mitgeht.

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